Stellungnahme des Mannschaftsführers der Bundesliga Mitte des SV Steyregg und Replik auf den offenen Brief

Ich möchte zuallererst betonen, dass erstens ich - Philipp Enöckl -

persönlich schuld an den gesamten Vorfällen bin und dass zweitens ich

mich bereits vor der Veröffentlichung des offenen Briefes auf schach.at

bei den involvierten Mannschaftsführern entschuldigt habe und drittens

auch ligaintern versucht habe zu erklären, wie es zum Bruch dieser

Vereinbarung gekommen ist und ich werde es eben nochmals vor einer

breiteren Öffentlichkeit auf schach.at wiederholen:

Es ist richtig, dass dieses gentlemen‘s agreement nun 10 Jahre gehalten

hat, allerdings kam es auf der letzten Sitzung – bei der ich nicht

anwesend war - zu Unstimmigkeiten und der Modus einer etwaigen

Geldstrafe ist letztes Jahr gefallen. Ich habe am Tag nach dieser

Sitzung im Mai 2018 einen Mannschaftsführer angerufen, um zu erfahren,

was denn beschlossen worden sei und er hat mir – und ich möchte ihm hier

überhaupt keinen Vorwurf machen – von der tatsächlichen Schwächung des

agreement berichtet und er wollte mir wohl auch auf dem Weg mitgeben,

dass er diese Schwächung als schrecklich empfindet und sich seiner

Meinung nach wohl nun niemand mehr ans agreement halten wird. Er hat das

wohl nur als allgemeine Hypothese verstanden und es war wohl für jeden

auch nur als solche zu verstehen, ich hab das allerdings als allgemeines

Spiegelbild der Stimmung aller Anwesenden der Sitzung interpretiert, und

in weiterer Folge, dass das agreement nur mehr pro forma aufrecht

erhalten wird, aber de facto nun gefallen sei. Mir war schlicht und

ergreifend bis letzten Samstag nicht bewusst, dass dies ein kompletter

Trugschluss war.

Natürlich muss ich mir vorwerfen, dass ich sämtlichen Sorgfaltspflichten

nicht nachgekommen bin, ich hätte erstens das Protokoll der Sitzung

lesen können, zweitens auch andere Mannschaftsführer befragen können

(ich hatte immerhin knapp 9 Monate Zeit) und ich hätte drittens auch auf

eine warnende Stimme im eigenen Verein hören können, die habe ich

allerdings ignoriert und ich hab im Nachhinein keine wirkliche Erklärung.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich entschuldige mich aus tiefster Seele für

mein Verhalten, ich habe absolutes Verständnis, wenn meiner Erzählung

nicht geglaubt werden kann und muss mit knirschenden Zähnen akzeptieren,

wenn man mir deswegen oberösterreichweit „einen bedenklichen Mangel an

moralischer Integrität“ bescheinigt, diejenigen, die mir glauben können,

müssen eben genau so wie ich zur Kenntnis nehmen, dass ich mich viel

zuwenig um das Mannschaftsführerwesen gekümmert habe und es dadurch zu

einer Unsportlichkeit gekommen ist, die ich auch nicht schönreden will.

Es soll auch keine Ausrede sein, aber einer der bezichtigten „Ausländer“

hat seit Jahren seinen Lebensmittelpunkt nicht mehr in Südafrika,

sondern in Steyregg, aber natürlich ist er regeltechnisch weiterhin als

Ausländer zu sehen. Ich erwähne das nur, weil es überhaupt kein Problem

gewesen wäre, ihn rechtzeitig als Schachinländer umzumelden, wenn ich es

als nötig erachtet hätte.

Ich möchte auch sagen, dass mein Verstoß gegen die Vereinbarung nicht

etwa von langer Hand geplant war, sondern aufgrund einer Absage eines

Spielers relativ kurzfristig entstanden ist. Ich habe dummerweise nicht

nur alle anderen Mannschaften getäuscht, sondern habe auch

fälschlicherweise im guten Glauben vereinsintern erzählt, dass die

besagte Vereinbarung sowieso nicht mehr gelte.

Ich betone das nur, weil mir die Formulierung „Das Verhalten vom SV

Steyregg war unsportlich und zeigt einen bedenklichen Mangel an

moralischer Integrität“ in dem Zusammenhang unrichtig erscheint, der

Verein besteht aus knapp 50 Personen, wovon nun 49 vollkommen unschuldig

quasi auf einen öffentlichen Pranger gestellt worden sind und wo wenn

überhaupt nur einer – nämlich ich – hingehört.

Hier hat man vollkommen unschuldige Einzelpersonen als Kollateralschaden

in Kauf genommen, die sich nun natürlich auch fragen können, wie sie

eigentlich jetzt zu dieser „schlechten Nachrede“ kommen.

Ich verstehe aber natürlich, dass das hoffentlich nur im Eifer des

Gefechtes und im Zuge der natürlich verständlichen Emotionen geschehen

ist bzw. man einfach eine Formulierung wählen wollte, in der schlichtweg

keine Namen genannt werden. Das ist hiermit ja wohl nicht mehr nötig und

hoffe, dass auch die 3 verbliebenen oberösterreichischen

Mannschaftsvertreter, die mir nicht verzeihen können, es doch zumindest

irgendwann mal schaffen, der Vereinsvertreter, den als sportlich als

einzigen betrifft, hat meine Entschuldigung im übrigen bereits am

Sonntag morgen (bereits vor der letzten Runde) akzeptiert und dies am

Montag für alle Vereinsvertreter ersichtlich wiederholt, was zwar mein

Fehlverhalten sicher nicht mindert, aber im Zuge dieser moralischen

Empörung vielleicht doch der Vollständigkeit halber erwähnenswert ist.

 

Berichtdetails
erstellt von:
Dietmar Hiermann
zuletzt geändert:
05.03.2019 06:27